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F.A.Z. v. 5.1.2000

Extrem empfindliche fotografische Schicht

Von Rainer Scharf

Eine Fotoschicht, die bis zu zehnmal so lichtempfindlich ist wie die bisherigen fotografischen Emulsionen, ist von Wissenschaftlern der Universität von Paris und der Agfa-Gevaert-Forschungslaboratorien in Mortsel/Belgien entwickelt worden. Sie enthält neben winzigen Silberbromidkristalliten, die auch in herkömmlichen Fotoschichten Verwendung finden, negativ geladene Ionen der Ameisensäure, so genannte Formiat-Ionen ("Nature", Bd. 402, S. 865). Diese Ionen verhindern, dass die beim Lichteinfall freigesetzten Fotoelektronen an elektronischen Störstellen in den Kristalliten hängen bleiben, anstatt zur Bildentstehung beizutragen. Dank der Formiat-lonen erreichen fast alle Fotoelektronen, die durch Lichtteilchen oder Photonen aus den negativ geladenen Brom-Ionen herausgeschlagen werden, die positiv geladenen Silberionen, die sich daraufhin in Silberatome umwandeln. Die räumliche Verteilung der Silberatome ergibt das durch Entwicklung sichtbar gemachte Bild. Die Formiat-Ionen haben aber noch einen weiteren Vorzug. Sie verstärken das Bild, indem sie jeweils ein zusätzliches Elektron zur Neutralisierung der Silberionen bereitstellen. Auf diese Weise können schon zwei Photonen, die einen Kristallit treffen, eine Schwärzung des Films verursachen. Bisher eignet sich das neue Verfahren für grünes und blaues Licht. Ob sich die hohe Empfindlichkeit auch für rotes Licht erreichen lässt, ist noch offen.
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