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F.A.Z. v. 12.1.2000

Statt Gravitationswellen Strahlung gemessen

Von Rainer Scharf

Mit einem Detektor für Gravitationswellen haben Wissenschaftler vom Kernforschungszentrum in Frascati jetzt kosmische Strahlen registriert.  Das Gerät besteht aus einem 2300 Kilogramm schweren Aluminiumzylinder, den man auf 0,1 Grad Kelvin abkühlt, um störende Wärmebewegung möglichst zu vermeiden.  Am Zylinder befestigte elektromechanische Wandler sprechen auf winzigste Schwingungen an.  Dadurch kann man noch Oszillationen registrieren, bei denen sich der Zylinder nur um einen Trillionstel Meter bewegt, also um weniger als den Durchmesser eines Atomkerns.  Die Wissenschaftler haben den Detektor ursprünglich dazu gebaut, Gravitationswellen nachzuweisen.  Wenn solche Wellen auf den Zylinder treffen, bringen sie ihn zum Schwingen.  Wie sich jetzt gezeigt hat, können auch kosmische Strahlen registriert werden.  Die Strahlen - vor allem schnell fliegende Protonen - geben einen Teil ihrer Bewegungsenergie an den Zylinder ab, der daraufhin rund 900 Mal in der Sekunde vibriert ("Physical Review Letters", Bd. 84, S. 14).  Mit Hilfe herkömmlicher Detektoren haben sich die Forscher davon überzeugt, dass sie tatsächlich kosmische Strahlen gemessen haben.  Damit Gravitationswellen künftig eindeutig nachgewiesen werden können, muss man also die störende Wirkung der kosmischen Strahlen berücksichtigen.  Die italienischen Forscher schlagen deshalb vor, gleichzeitig mit mehreren Zylindern Messungen auszuführen.  Davon sollte mindestens einer vor der kosmischen Strahlung geschätzt sein, zum Beispiel in einem Bergwerk. 
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