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Seltener optischer Effekt in Flüssigkeiten

Von Rainer Scharf

Ein vor mehr als 50 Jahren vorhergesagter optischer Effekt ist jetzt am Hochfeldlabor in Grenoble erstmals nachgewiesen worden.  Dabei handelt es sich um die sogenannte magnetoelektrische Jones-Doppelbrechung.  Sie tritt in einigen molekularen Flüssigkeiten oder Lösungen auf, die starken elektrischen und magnetischen Feldern ausgesetzt werden.  Die Felder verändern die optischen Eigenschaften der Flüssigkeiten derart, daß sich in diesen Substanzen das Licht in verschiedenen Richtungen unterschiedlich schnell ausbreitet.  Der Physiker R. C. Jones hatte 1948 auf die Existenz des nach ihm benannten Effektes geschlossen, als er die damals bekannten Doppelbrechungseffekte untersuchte.  Es war lange Zeit umstritten, ob sich die Jones-Doppelbrechung tatsächlich beobachten läßt.  Daß ihr experimenteller Nachweis so lange auf sich warten ließ, lag daran, daß der Jones-Doppelbrechung andere, ihr verwandte optische Erscheinungen überlagert sind wie der Kerr- oder der Cotton-Mouton-Effekt.  Bei diesen Phänomenen wird die Doppelbrechung allein durch ein elektrisches beziehungsweise magnetisches Feld hervorgerufen.  Beim Experiment in Grenoble gelang es nun, die verschiedenen Effekte voneinander zu trennen ("Physical Review Letters", Bd. 85, S. 4478).  Eine physikalisch anschauliche Erklärung der Jones-Doppelbrechung steht indes noch aus. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2001, Nr. 14 / Seite N3

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