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Handy-Frequenzen besser auszunutzen

Von Rainer Scharf

Die Frequenzen, die Mobiltelefone verwenden, lassen sich wesentlich besser nutzen als bisher angenommen. Das haben Wissenschaftler der Bell Laboratories in Murray Hill/New Jersey herausgefunden ("Nature", Bd. 409, S. 316). Wenn sich elektromagnetische Wellen, wie sie zur drahtlosen Kommunikation benutzt werden, ungehindert ausbreiten können, dann stehen für die Informationsübertragung pro Frequenz Wellen mit zwei verschiedenen Schwingungsrichtungen zur Verfügung. Man kann jedoch auch die Tatsache nutzen, daß die Wellen mehrfach reflektiert werden, wenn sie auf Hindernisse wie Gebäude oder Fahrzeuge treffen. Den neuen Untersuchungen zufolge ist in diesem Fall die Übertragungskapazität dreimal so groß, da pro Frequenz sechs verschiedene Schwingungsrichtungen genutzt werden können. Dazu müssen die Empfangs- und die Sendeantenne jeweils aus drei senkrecht gekreuzten, stabförmigen Dipolantennen bestehen. Bei der Übermittlung eines Fotos von einem Miro-Gemälde über eine Entfernung von 25 Metern wurde auf diese Weise eine deutlich schnellere Informationsübertragung erreicht, als es mit herkömmlichen Antennen möglich ist. Sender und Empfänger befanden sich dabei in einer Halle. Da zwischen ihnen keine Sichtverbindung bestand, mußten die Wellen bei der Übertragung mehrfach von den Wänden reflektiert werden. Die Kommunikation mit Mobiltelefonen wird sich indes durch das neue Verfahren nicht direkt verbessern lassen. Aber die Wissenschaftler haben gezeigt, daß die technischen Mittel noch längst nicht ausgeschöpft sind, um beispielsweise Handys wirklich internetfähig zu machen. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2001, Nr. 32 / Seite N3

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