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Leuchtende Diode im Miniformat

Von Rainer Scharf

Die weltweit kleinste Leuchtdiode ist nur wenige millionstel Millimeter groß. Sie ist kürzlich von Wissenschaftlern der Harvard-Universität in Cambridge/Massachusetts vorgestellt worden ("Nature", Bd. 409, S. 66). Die Diode besteht aus zwei unterschiedlich dotierten Drähten aus Indiumphosphid, die kreuzförmig übereinanderliegen. Wenn man an die beiden Nanodrähte eine elektrische Spannung von wenigen Volt legt, verhält sich der Kreuzungspunkt wie eine Leuchtdiode und strahlt rotes oder infrarotes Licht ab. Je dünner die Drähte sind, desto kurzwelliger ist das ausgesandte Licht. Die Wellenlänge der Strahlung ist mit rund 700 Nanometern um ein Vielfaches größer als die Leuchtdiode selbst. Die Forscher haben die mehrere hundertstel Millimeter langen, aber nur einige millionstel Millimeter dicken Drähte katalytisch hergestellt, indem sie heißen Dampf aus Indium- und Phosphoratomen auf nanometergroßen Goldtröpfchen abschieden. Durch Zugabe von Tellur- oder Zinkatomen zum Dampf wurden die winzigen Leiter dotiert, wodurch man ihre elektrischen Eigenschaften gezielt veränderte. Mit einem elektrischen Feld haben die Forscher die Drähte in gewünschter Weise ausgerichtet und angeordnet. Mit diesem Verfahren könnte man auch ein Gitter aus Nanodrähten verwirklichen und eine Matrix aus vielen Leuchtdioden herstellen. Auf ähnliche Weise ließen sich auch andere integrierte elektronische Schaltungen im Nanometermaßstab realisieren. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2001, Nr. 38 / Seite N4

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