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B-Mesonen verletzen die Symmetrie

Von Rainer Scharf
 
Bei Experimenten am Linearbeschleuniger des Stanford Linear Accelerator Center in Kalifornien und am Laboratorium Kek unweit von Tokio hat man deutliche Hinweise gefunden, daß B-Mesonen eine grundlegende Symmetrie der Natur verletzen. Dabei handelt es sich um die sogenannte CP-Symmetrie. Die Forscher haben herausgefunden, daß sich die instabilen B-Mesonen bei ihrem Zerfall geringfügig anders verhalten als ihre ebenfalls instabilen Antiteilchen. Normalerweise sollten sich physikalische Prozesse nicht ändern, wenn sie spiegelverkehrt betrachtet werden und man gleichzeitig Teilchen durch Antiteilchen ersetzt. Eine Verletzung der CP-Symmetrie war bisher nur beim Zerfall von sogenannten K-Mesonen beobachtet worden. Die B-Mesonen sind ähnlich aufgebaut wie die K-Mesonen, enthalten aber anstatt eines Strange Quarks ein viel schwereres Bottom Quark. Alle anderen bekannten Elementarteilchenprozesse respektieren die CP-Symmetrie. Eine gängige kosmologische Theorie, die auf den sowjetischen Physiker Andrej Sacharow zurückgeht, macht die geringfügige Verletzung der CP-Symmetrie dafür verantwortlich, daß das Universum kaum Antimaterie, sondern fast nur Materie enthält. Doch diese Erklärung läßt sich bisher noch nicht befriedigend mit dem Standardmodell der Elementarteilchen in Einklang bringen. Deshalb ist eine weitere und genauere Untersuchung der CP-Verletzung von grundlegendem Interesse. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2001, Nr. 44 / Seite N2

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