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Zweifel an Hinweisen auf Higgs-Teilchen

Von Rainer Scharf

Am europäischen Zentrum für Elementarteilchenphysik (Cern) bei Genf hält man die im vergangenen Jahr bei Beschleunigerexperimenten gefundenen Hinweise auf das Higgs-Teilchen inzwischen nicht mehr für so stichhaltig wie noch unmittelbar nach Ende der Versuche. Das geht aus jüngsten Äußerungen des Direktors des Cern, Luciano Maiani, hervor. Zunächst glaubte man, vier signifikante "Ereignisse" registriert zu haben, die auf die Existenz des Higgs-Teilchens hinwiesen. Doch jetzt hat eine weitere Auswertung der Daten ergeben, daß mindestens eines der Ereignisse nichts mit dem Higgs-Teilchen zu tun hatte, sondern von schon bekannten Elementarteilchen verursacht wurde. Im vergangenen Herbst hatte Maiani entschieden, die Suche nach dem Higgs-Teilchen am Cern trotz erfolgversprechender Zwischenergebnisse erst einmal einzustellen, um mit dem geplanten Bau eines neuen Beschleunigers, des Large Hadron Colliders (LHC), beginnen zu können. Die Teilchenphysiker hoffen nun, das Higgs-Teilchen entweder mit dem Beschleuniger Tevatron am Fermilab bei Chicago oder von 2006 an mit dem LHC nachweisen zu können. Dem Higgs-Teilchen kommt im Standardmodell der Teilchenphysik eine Schlüsselrolle zu. Es ist für die Masse der Elementarteilchen verantwortlich. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2001, Nr. 164 / Seite N1

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