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Naturkonstante nicht unveränderlich

Von Rainer Scharf

Eine der fundamentalen Naturkonstanten, die sogenannte Feinstrukturkonstante, hat sich im Verlauf einiger Milliarden Jahre verändert.  Das haben Untersuchungen der Strahlung von 17 entfernten Quasaren ergeben, die mit dem Keck-Teleskop in Hawaii aufgefangen wurde ("Physical Review Letters", Bd. 87, Nr. 091301).  Demnach hat sich die Feinstrukturkonstante, die ein Maß für die Stärke der elektromagnetischen Wechselwirkung ist und deren Wert ungefähr 1/137 beträgt, im Laufe von Jahrmilliarden um etwa ein Zehnmillionstel vergrößert.  Diese Veränderung macht sich dadurch bemerkbar, daß sich die Energieniveaus der Atome und damit auch die Wellenlängen des von ihnen abgestrahlten Lichtes ändern.  Die Wissenschaftler haben Absorptionslinien von Metallen wie Eisen, Magnesium und Nickel in den Lichtspektren der Quasare untersucht.  Diese Linien rühren daher, daß metallhaltige Wolken vor Jahrmilliarden vom Licht der Quasare getroffen wurden.  Die Wellenlängen dieser Absorptionslinien unterscheiden sich geringfügig von den heute im Labor gemessenen Linien der Metallatome.  Schon vor zwei Jahren hatten die Forscher erste Belege für eine Änderung der Feinstrukturkonstanten veröffentlicht.  Die neuen Resultate sind indes wesentlich umfassender und stichhaltiger.  Da die Feinstrukturkonstante von der Lichtgeschwindigkeit, der Elektronenladung und der Planck-Konstanten abhängt, müßte sich mindestens eine dieser Konstanten ebenfalls im Laufe von Jahrmilliarden verändert haben.  Dies hätte weitreichende Folgen für unser Bild vom
Universum. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2001, Nr. 194 / Seite N3

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