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Leuchtender Knall des Pistolenkrebses

Von Rainer Scharf

Der Pistolenkrebs Alpheus heterochaelis kann mit der größeren seiner beiden Scheren leuchtende Gasblasen erzeugen. Die Schere schnappt mit einer Geschwindigkeit von mehr als hundert Kilometern pro Stunde zusammen. Dabei schießt ein Wasserstrahl aus der Schere heraus, in dem ein starker Unterdruck herrscht. Durch den Unterdruck entstehen bis zu drei Millimeter große luftgefüllte Kavitationsblasen, die in sich zusammenstürzen und dabei ein gut hörbares, knallendes Geräusch erzeugen. Mit diesem Knall, dem der Pistolenkrebs seinen Namen verdankt, betäubt und lähmt das Tier seine Beute. Wie Experimente von Wissenschaftlern in Enschede und in München ergeben haben, heizt der Kollaps einer solchen Kavitationsblase die eingeschlossene Luft für kurze Zeit auf mindestens 5000 Grad auf und läßt sie leuchten. Das Leuchten dauert weniger als zehn Milliardstelsekunden und ist mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar. (Die untere Abbildung zeigt die mit einer Lampe angestrahlten dunklen Überreste der Blase nach dem Kollaps.) Die Wissenschaftler haben dem Phänomen, über das sie in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" (Bd. 413, S. 477) berichten, den Namen "Shrimpolumineszenz" gegeben. Diese ist mit der intensiv erforschten Sonolumineszenz verwandt, bei der durch starken Ultraschall in Wasser pulsierend leuchtende Gasblasen produziert werden. Das vom Pistolenkrebs verursachte Leuchten ist bisher das einzige bekannte Beispiel dafür, daß ein Tier auf diese ungewöhnliche Weise Licht erzeugen kann. 

Fotos D. Lohse, B. Schmitz und M. Versluis

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2001, Nr. 230 / Seite 50

Weitere Informationen:

Detlef Lohses Shrimp-Seiten

Mein Bericht in der FAZ vom 11.10.2000

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