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Bose-Einstein-Kondensate über Chips transportiert

Von Rainer Scharf

Ein Bose-Einstein-Kondensat aus Rubidiumatomen auf einem Mikrochip herzustellen und anschließend wie auf einem Fließband zu transportieren, haben auch Forscher von der Universität München geschafft ("Nature", Bd. 413, S. 498). Ein solches Kondensat in einer mikroelektronischen Struktur zu erzeugen und festzuhalten war kürzlich schon Wissenschaftlern um Claus Zimmermann von der Universität Tübingen gelungen (Preprint hier). In beiden Fällen erzeugten winzige, stromdurchflossene Drähte in einem Chip Magnetfelder, mit denen die Atome über dem Chip schwebend festgehalten wurden. Mit ihrer Apparatur benötigten die Münchner Forscher um Theodor Hänsch nur weniger als eine Sekunde dazu, ein Bose-Einstein-Kondensat mit einigen tausend Atomen zu erzeugen. Für ihr Experiment verdampften sie Rubidiumatome in unmittelbarer Nähe des Chips, fingen sie mit Magnetfeldern ein und kühlten sie auf weniger als ein millionstel Kelvin ab. Mit Hilfe von Wechselströmen ließen sie die Magnetfelder wandern. Auf diese Weise konnten sie das gefangene Kondensat über eine Entfernung von 16 Millimetern entlang der Oberfläche des Chips transportieren. Wie die Münchner und Tübinger Experimente zeigen, können Bose-Einstein-Kondensate mit wesentlich geringerem Aufwand als bisher erzeugt und über Sekunden festgehalten werden. Es erscheint möglich, daß auf demselben Chip außer der Magnetfalle für die Atome auch die Rubidiumquelle und die zur Erzeugung und Untersuchung des Kondensats benötigten Laser untergebracht werden. So ließe sich zum Beispiel ein äußerst kompakter Atomlaser verwirklichen. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2001, Nr. 241 / Seite N2

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