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Magnetisierte Sauerstofftropfen

Von Rainer Scharf

Ein Tropfen flüssigen Sauerstoffs springt, entgegen der Schwerkraft, von unten nach oben gegen einen frei schwebenden Magneten.  Was so aussieht, als stünde die Physik kopf, ist ein neuer physikalischer Effekt, über den Wissenschaftler der University of Durham/Großbritannien in der Zeitschrift "Nature" berichten (Bd. 415, S. 860).  Der Magnet schwebt über einer Scheibe, die aus dem Hochtemperatur-Supraleiter Yttriumbariumkupferoxyd besteht und mit flüssigem Stickstoff gekühlt wird.  Das seit längerem bekannte Phänomen des Schwebens kommt dadurch zustande, daß der Magnet vom Supraleiter abgestoßen wird, weil sein Magnetfeld nicht in ihn eindringen kann.  Das Magnetfeld induziert auf der Oberfläche des Supraleiters elektrische Ströme, die das Innere des Supraleiters magnetisch abschirmen.  Das jetzt beobachtete Springen der Sauerstoff-Tropfen hat indes eine andere Ursache.  Im flüssigen Stickstoff löst sich Sauerstoff aus der Luft und verflüssigt, wodurch sich auf der supraleitenden Scheibe ein Tropfen bildet.  Der flüssige Sauerstoff wird von dem schwebenden Magneten magnetisiert und angezogen, wobei er verdampft.  Dadurch ist Platz nächsten Tropfen, und das Spiel beginnt von neuem.  Die Forscher haben die hochspringenden Sauerstofftropfen zufällig entdeckt, als sie ihren Studenten den schwebenden Magneten vorfuhren wollten. 

Foto University of Durham

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2002, Nr. 44 / Seite 44

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