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Gekochte Ostereier

Warum sie sich beim Drehen aufrichten

Von Rainer Scharf

Warum sich gekochte Eier auf die Spitze stellen, wenn man sie auf einer flachen Unterlage in schnelle Drehung versetzt, haben jetzt Forscher der Universitäten von Cambridge und Yokohama herausgefunden.  An und für sich sollte der Schwerpunkt des Eis die tiefstmögliche Lage einnehmen.  Die Längsachse des Eis zeigte dann in horizontale Richtung.  Bringt man das Ei aber in hinreichend schnelle Drehung, so richtet sich die Längsachse langsam auf, und der Schwerpunkt steigt in die Höhe ("Nature", Bd. 416, S. 385).  Verantwortlich dafür ist die Reibung zwischen dem rotierenden Ei und der Tischplatte.  Sie läßt die Drehbewegung des liegenden Eis instabil werden, sobald die Drehgeschwindigkeit einen bestimmten Wert überschreitet.  Das Ei sucht sich dann eine neue, stabile Ausrichtung.  Auf einer reibungsfreien Unterlage würde sich ein drehendes Ei folglich nicht aufrichten.  Allerdings darf die Reibung auch nicht zu groß sein, weil sonst die Drehgeschwindigkeit zu schnell abnähme.  Deshalb will ein rohes Ei nicht so recht rotieren.  Die Drehbewegung, in die man seine Schale versetzt, muß sich erst in sein flüssiges Inneres vorarbeiten.  Dabei wird die Rotationsenergie schnell in Wärme umgewandelt und das Ei hört auf, sich zu drehen. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2002, Nr. 74 / Seite 48

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