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Radioaktivität treibt Miniaturmotor an

Von Rainer Scharf

Ein kleiner Motor, der Radioaktivität direkt in Bewegung verwandeln kann, ist von Forschern der Cornell University in Ithaca/New York entwickelt worden. Seine Energiequelle ist das radioaktive Isotop Nickel-63, das als dünner Film auf eine feste Unterlage gebracht wird. Beim Zerfall der Nickelkerne werden Elektronen freigesetzt, wodurch sich der Film allmählich positiv auflädt. Ein zwei Zentimeter langer Kupferstreifen fängt in einiger Entfernung die Elektronen auf und wird dabei seinerseits negativ aufgeladen. Die elektrostatische Kraft zieht den Kupferstreifen immer stärker in Richtung des Nickelfilms, bis er diesen schließlich berührt. Beim Kontakt entladen sich die beiden Metalle und der Kupferstreifen schwingt in seine Ausgangslage zurück. Dann beginnt der Vorgang von neuem. Er wiederholt sich solange, wie das Nickelisotop strahlt. Da die Halbwertzeit von Nickel-63 mehr als hundert Jahre beträgt, dürfte der Motor entsprechend lange "laufen". Das etwa zwei Zentimeter große Gerät könnte nach Aussagen seiner Erfinder winzige Ventile, Pumpen und Räderwerke antreiben oder über Miniaturgeneratoren Strom für elektrische Schaltkreise erzeugen. Gesundheitsgefährdend ist der Motor nach Ansicht von Amil Lal und seinen Kollegen nicht. Denn die vom Nickel ausgesandten Elektronen haben eine so geringe Energie, daß sie nicht durch die menschliche Haut dringen können. Die Forscher wollen die neuartige Kraftquelle nun auf die Größe eines Salzkörnchen bringen. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2002, Nr. 252 / Seite N2

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