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F.A.Z. v. 13.10.1999

Spiegel elektrisch durchsichtig gemacht

Einen Spiegel, der sich mit Hilfe einer elektrischen Spannung durchsichtig machen läßt, haben Wissenschaftler des Lawrence-Berkeley-Laboratoriums in Kalifornien entwickelt ("Applied Physics Letters", Bd. 75, S. 1863).  Seine Funktionsweise beruht auf einem Effekt, den holländische Physiker vor drei Jahren entdeckt hatten.  Eine normalerweise metallisch spiegelnde Yttriumschicht wird durchsichtig, wenn man sie hinreichend intensiv mit Wasserstoff begast.  Bei dem jetzt entwickelten elektrisch schaltbaren Spiegel wird der Wasserstoff nicht mehr von außen zugeführt, sondern kommt aus einem in den Spiegel integrierten Reservoir, einer wasserstoffhaltigen Zirkonoxydschicht.  Außerdem wurde das Yttrium durch eine Legierung aus Magnesium und Gadolinium ersetzt, deren optische Eigenschaften ebenfalls vom Wasserstoffgehalt abhängen.  Auch die Magnesium-Gadolinium-Schicht ist normalerweise ein guter Spiegel.  Treibt man aber mit Hilfe einer elektrischen Spannung hinreichend viele Wasserstoffionen aus dem Reservoir in diese Schicht, so verliert sie ihr Reflexionsvermögen.  Die Schicht wird abermals zum Spiegel, wenn man die Wasserstoffionen wieder aus ihr herauszieht, indem man die elektrische Spannung umkehrt.  Ein solcher Schaltvorgang dauert bisher noch mehrere Stunden.  Die Wissenschaftler glauben jedoch, die Schaltdauer des Spiegels auf wenige Minuten reduzieren zu können.  Dann käme der Spiegel als Fenster in Frage. RAINER SCHARF 
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