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F.A.Z. v. 22.12.1999

Datenspeicher mit höchster Kapazität

Von Rainer Scharf

Mit einer neuen Methode zur Speicherung von Daten haben Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge und der Stanford University Schreibdichten von mehr als einem Terabit pro Quadratzoll erreicht. Dies ist vier Mal so viel wie bisher und dreihundert Mal so viel wie die Speicherdichte handelsüblicher Computerfestplatten. Als Schreibgerät dient ein modifiziertes Rasterkraftmikroskop, an dessen Siliziumspitze die Wissenschaftler eine einzelne Kohlenstoff-Nanoröhre angebracht hatten. Das Ende dieser Röhre, das wesentlich feiner war als die Spitze des Rasterkraftmikroskops, wurde über eine atomar glatte Schicht aus Titan geführt. Kurze Spannungspulse ließen Elektronen vom Ende der Kohlenstoffröhre auf die Metallschicht springen. Die Luftfeuchtigkeit führte dann dazu, dass das Metall direkt unter der Kohlenstoffspitze oxydierte. Auf diese Weise konnte ein regelmäßig angeordnetes Muster von Punkten geschrieben werden, die einen Durchmesser von nur acht Nanometern und einen Abstand von 20 Nanometern hatten. Jeder Punkt entsprach dabei einem Bit. Mit der Kohlenstoffspitze wurden Schreibgeschwindigkeiten von bis zu 30 Bit pro Sekunde erreicht ("Applied Physics Letters", Bd. 75, S. 3566). Diese sind deutlich höher als die mit den üblichen Siliziumspitzen erzielbaren Geschwindigkeiten. Dennoch reicht das für eine kommerzielle Nutzung des neuen Speichers bei weitem nicht aus. Wollte man mit dem Verfahren einen Quadratzoll des Speichers beschreiben, benötigte man mehr als tausend Jahre. Die Wissenschaftler wollen die Geschwindigkeit dadurch erhöhen, dass sie die Metalloberfläche mit vielen Kohlenstoffspitzen gleichzeitig beschreiben.
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